09.02.2012 02:37

Von Azteken und Konquistadoren

Dezember 6, 2009 nach  
Abgelegt unter Geschichte

Der Ursprung des Kakaos liegt im Schatten der Regenwälder Mittelamerikas. Bereits 250 Jahre v.Chr. kultivierten die im mexikanischen Tiefland ansässigen Olmeken den Kakaobaum. Von ihnen übernahmen die später in dieser Region lebenden Tolteken, Mayas und Azteken den “cacauatl”.

Die Tolteken glaubten die Kakaopflanze als Geschenk von “Quetzalcoatl”, dem gefiederten Gott des Windes. Einen göttlichen Ursprung hatte Kakao auch für die Mayas, sie verehrten den Kakaogott „Ek Chuah“. Ebenso galt Kakao bei den Azteken als eine Quelle der Weisheit, gewaltiger Energie und gesteigerter sexueller Potenz. Diese religiösen Überzeugungen bedingten den besonderen Rang, den die Bohnen in ihren Kulturen innehatte: Montezuma II, der letzte aztekische Herrscher, genoss den berauschenden Trank, der ihm in Goldbechern gereicht wurde, im Überfluss – er soll täglich 40 Tassen davon zu sich genommen haben.

Die damals konsumierte Beschaffenheit des Kakaotrunks unterscheidet sich jedoch stark von der heute üblichen: Die Einheimischen bereiteten daraus ein warmes (Mayas) oder kaltes (Azteken) Getränk, das sie „Xocolatl“ („xoco“ = herb/ „atl“ = Wasser) nannten. Dieses hatte jedoch mit unserem heutigen Instantkakao wenig gemein: Das „herbe Wasser“ bezeichnet den ursprünglichen Geschmack der Schokolade wohl sehr treffend – Schokolade wurde nicht gesüßt, es war eine scharfe, bittere Sache, die stark konzentriert und mit Chili, Piment, Vanille gewürzt wurde. Generell war Kakao kein Massenprodukt, sondern eher ein Getränk, das nur der obersten Bevölkerungsschicht, und hiervon auch nur den Männern vorbehalten war.

Bei den Mayas wie auch bei den Azteken hatten die Kakaobohnen wegen ihrer Seltenheit überdies noch den Stellenwert eines Zahlungsmittels, so kostete z.B. eine Tomate eine Kakaobohne, ein Kürbis vier, eine Sklavin 50, ein Sklave 100 und ein Truthahn 200 „braune Bohnen“. Die Samen des Kakaobaums gehörten auch zu den “tributpflichtigen” Erzeugnissen unterworfener Völker. Dies erklärt, warum die Konquistadoren nach Montezuma’s Sturz 2,5 Mio. Pfund davon in seinem Palast fanden. Und wie jede Währung, wurde auch sie „gefälscht“: Man ließ die Bohnen in Wasser aufquellen oder färbten sie Aschgrau oder Fahlrot (die Farbe der edelsten Sorten).

Der erste Europäer, der Kakao zu Gesicht bekam, war Christopher Kolumbus. Auf seiner vierten und letzten Reise in die „Neue Welt” kaperte er 1502 vor der Küste von Honduras ein vollbeladenes Handelskanu der Maya. Die Beute enthielt neben Keramiken, Textilien, und Kupfergegenständen auch Kakaobohnen. Dabei beobachteten die erstaunten Spanier, dass sich, wo immer eine Bohne herunterfiel, sofort mehrere Eingeborene danach bückten. Warum die Indios diesen „seltsamen Mandeln“ so viel Bedeutung zumaßten, blieb Kolumbus mangels eines Dolmetschers allerdings verwehrt (er selbst hat übrigens auch nie Schokolade probiert). So war die erste Bekanntschaft der Europäer mit Kakao von Verwunderung geprägt, denn eigentlich suchten sie nach Gold, das sie in „Indien“ zu finden hofften; stattdessen machten die Eingeborenen Aufhebens um eine kleine Bohne, die den Spaniern zunächst wertlos vorkam.

Aber mit der Eroberung des Aztekenreiches, dem heutigen Mexiko, im Jahre 1519 durch Hernán Cortés erkannten die Spanier schon bald, dass ihnen mit den Samen der Kakaopflanze „braunes Gold“ in die Hände gefallen war. Die Eigenschaft, dass Kakaobohnen als Zahlungsmittel galten, wurde von den spanischen Konquistadoren mit Begeisterung aufgenommen (die wertvollen braunen Samen wurden im unterworfenen Aztekenreich erst nach 20 Jahren als Zahlungsmittel durch den spanische Peso abgelöst). Folglich interessierten sich die Europäer vorerst nur für den Kakao als Währung und legten „Geldplantagen“ an. Vielen Berichten nach war es Cortés selbst, der 1528 dann doch den ersten Kakao und die für die Zubereitung des exotischen Getränks notwendigen Geräte seinem Kaiser Karl V. an den spanischen Hof mitbrachte. Andere Quellen besagen, dass es spanischen Mönche waren, die als Missionare den christlichen Glauben in die Neue Welt bringen wollten – und in den späteren Jahrhunderten einen schwunghaften Handel mit Kakao treiben sollten.

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